Jemand zu Hause im Windows Store?

Ich habe lange keinen Beitrag mehr geschrieben für diesen Blog, aber jetzt ist etwas fällig: Tut mir leid, ich muss mich über etwas beklagen und einen „Rant“ vom Stapel lassen.

Im Prinzip finde ich es gut von Microsoft, mit der Kachel-Oberfläche und den Modern Apps einen kompletten Neuanfang zu wagen. An sich würde ich es gerne sehen, dass dieser mutige Neuanfang mit Erfolg belohnt würde. Die Chancen auf Erfolg stehen und fallen mit dem Windows Store und den Apps, die er enthält.

Und wie schaut es da so aus? Bisher zappenduster, ist mein Schluss. Beim Windows Store als einem der wichtigsten Projekte von Microsoft der letzten Jahre habe ich den Eindruck, es sei niemand zu Hause, der auch nur ein wenig nach dem Rechten schaut.

Resultat einer Suche nach Flappy Bird im Windows Store, heute durchgeführt: 282 Apps, wovon geschätzt etwa 100 in meinen Augen eklatante und offensichtliche Verletzungen des Copyrights des Autors des Original-Spiels darstellen, nicht nur wegen den App-Namen, sondern vor allem wegen den Icons, bei denen eins-zu-eins vom Original abgekupfert wurde.

Ich als Programmierer und Autor einer eigenen App finde das gar nicht lustig.

Immerhin hat Microsoft auch gemerkt, dass das nicht so toll ist, und hat kürzlich gewisse Richtlinien verschärft, wie man im Windows Blog hier nachlesen kann. Aber: Keine Mail von Microsoft an mich als Developer in dieser Sache, kein Eintrag bei den News im Dev Center.

Und, was gibt es denn so im Windows Store? 231 (!) Tic-Tac-Toe-Apps. Die meisten davon implementieren das Standard-Spiel auf einem 3×3-Feld, bei dem schon jedes Kind weiss, dass der gewinnt, der mit seinem ersten Zug die Mitte besetzt. Aber gut, wenn den Programmierern nichts besseres einfällt, wie soll Microsoft sie aufhalten? Es macht trotzdem keinen guten Eindruck.

Bis vor kurzem gab es eine App namens WhatsApp Messenger, genau so benannt, mit dem bekannten grünen Icon, kostenpflichtig, bei der man erst beim Lesen der Bewertungen wütender Anwender darauf kam, dass es sich nicht um das allseits bekannte WhatsApp handelt, ja nicht einmal um ein Chat-Programm, sondern nur um eine Dussel-App mit ein paar Tipps zu WhatsApp. Klare Irreführung, und einer der Anstösse für mich, diesen Blog-Eintrag hier zu schreiben.

Die App scheint zwar unterdessen whatsapp tips n tricks zu heissen, wohl als Folge der verschärften Richtlinien, die ich erwähnt habe, hat aber immer noch ein vom Original geklautes grünes Icon. Und ein WhatsApp PC, ein WhatsApp for PC und ein WhatsApp for Windows als weitere solche Fakes machen nach wie vor den Store unsicher. Wie sagt man auf Neudeutsch: Facepalm.

Was ist eine gute und attraktive Anwendung von Tablets, zudem noch eine, bei der sogar die eher schwachbrüstigen Surface-Tablets mit ARM-Prozessoren eine gute Figur machen? Lesegerät für eBooks. Und wer ist ganz gross im Geschäft mit eBooks? Natürlich Amazon. Und es gibt die Kindle App denn auch für Windows 8. Nur leider hat sie Dutzende schlechter Bewertungen, wo die Leute von Bugs bei den elementarsten Funktionen wie z.B. Umblättern berichten.

Ist es bei einer solchen „Flagschiff-App“ zuviel verlangt von Microsoft, dass man bei Amazon vorstellig wird und den Programmierern da mal ein bisschen Feuer unter dem Hintern macht? Man könnte ja auch Teile des sicher nicht knapp bemessenen Werbebudgets für Windows 8 einsetzen, um solche Fälle von klarer Negativwerbung aus der Welt zu schaffen. Alles, nur nicht so etwas monatelang im Store rumhängen lassen.

Also ich habe definitiv nicht den Eindruck, als sei beim Windows Store im Moment jemand am Werk, der weiss, was er tut und auch mit der nötigen Autorität ausgestattet ist, um das zu tun, was nötig ist. Aber was mache ich mir Sorgen, es geht ja nur um die Zukunft von Windows bei der ganzen Sache…

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Stoppt den Trivial-App-Wahnsinn

Ich verfolge seit etwa 2 Wochen systematisch und fast täglich, welche Apps neu herauskommen für Windows Phone 7.

Dabei fiel mir schon bald einmal eine Klasse von Apps auf, die ich als Trivial-Apps bezeichnen würde, weil sie einen sehr geringen Funktionsumfang haben. Einmal neugierieg geworden, habe ich mir dann einen Spass daraus gemacht, besonders triviale und besonders idiotische Apps zu finden.

Da haben wir zum Beispiel die 5Fakten xyz-Reihe von Apps, etwa 5Fakten Giraffe des Publishers JeDaAppz:

5 Fakten Giraffe

Was Sie hier auf dem Screenshot sehen, ist wirklich und wahrhaftig schon alles: 5 Fakten über die Giraffe, angezeigt nach dem Berühren eines Buttons.

Oder vielleicht interessiert Sie eine WP7-App wie Costa Cordalis, welche die komplette Diskographie des Sängers Costa Cordalis auflistet; die Sonderzeichen-Fehler müssen Sie dabei allerdings leider in Kauf nehmen:

Costa Cordalis

Einen (vielleicht nur vorläufigen) Tiefpunkt hat die Sache in meinen Augen heute erreicht, mit dem Erscheinen der App geburtsortGoethe, weil diese App nicht nur durch eine besonders triviale Funktionalität besticht (ein 1-Frage-Quiz), sondern als Zückerchen noch mit einem falschen Stadt-Namen aufwartet (bei der ersten Option kann natürlich fast nur Weimar gemeint sein):

Geburtsort Goethe

Leider habe ich keine Kontakt-Möglichkeit zu den Publishern dieser Apps gefunden, um zu fragen, was diese damit bezwecken. Wohlwollend könnte man vielleicht spekulieren, dass es sich hier um die Resultate von Teilnehmern von Programmierkursen handelt, die zum Abschluss ihre selbst geschriebene App in den Marketplace stellen dürfen.

Bei mittlerweile über 20 5Fakten-Apps über verschiedenste Tiere taugt allerdings eine solche Erklärung eher nicht. Vielleicht ist in diesem Falle der Publisher ein Teilnehmer einer jener Wettbewerbe, bei dem derjenige z.B. ein Gratis-WP7-Smartphone gewinnt, der bis zu einer bestimmten Deadline die meisten Apps im Marketplace veröffentlicht hat. Ja, solche Wettbewerbe gibt es tatsächlich, in verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sponsoren (z.B. hier), und wenn man einen solch fragwürdigen Anreiz setzt, muss man sich nicht wundern, wenn fragwürdige Apps dabei herauskommen.

Wäre es die Pflicht von Microsoft, als allmächtiger Wächter über den Marketplace einzuschreiten und Apps die Veröffentlichung zu verweigern, wenn sie nicht über eine bestimmte Minimal-Funktionalität verfügen? Ich glaube kaum, dass ein solches Vorgehen praktikabel wäre. Es gibt durchaus sinnvolle Apps mit sehr wenig Funktionalität, die ihre Berechtigung haben, weil sie trotzdem einen Nutzen bieten, wie z.B. eine „Taschenlampe“-App. Wer wollte hier Grenzen ziehen, ohne dass es ständig zu Querelen zwischen Microsoft und den Publishern kommt und ohne dass Microsoft der Aufwand für die Prüfung der Apps durchs Dach geht?

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