Informationspolitik

Wenn es um Windows 8 geht in offiziellen Verlautbarungen von Microsoft, glänzen C#, .NET, WPF und Silverlight meistens durch Abwesenheit. Stattdessen wird jede Menge über HTML 5 und JavaScript für eine schöne neue Welt von modernen Windows-Applikationen erzählt.

Als das vor ein paar Monaten losging, waren verständlicherweise viele Programmierer ziemlich beunruhigt und haben auf verschiedenen Wegen Microsoft um Klärung gebeten. Die Auskunft damals war: Liebe Leute, wir verstehen Eure Sorgen, aber es tut uns leid, wir können im Moment nichts sagen. Wartet bis zur BUILD Conference in den USA im September.

Es versteht sich, das dieses Schweigen Microsofts nicht zur Beruhigung beigetragen hat, wie man ziemlich deutlich z.B. an isdotnetdead.com und Open Plea by Silverlight / WPF Devs ersehen kann.

Nun kam für mich als Schweizer gestern folgende Meldung: Für die TechDays 11 in Bern am 20. und 21. Oktober, also zeitlich eine ganze Weile nach der BUILD, wird bezüglich Windows 8 umdisponiert. An den TechDays gibt es neu keine Informationen über Windows 8; wer sich als Schweizer Programmierer dafür interessiert, wartet auf einen eigenen Informationsanlass am 9. Februar 2012. Zu lesen ist das z.B. auf der TechDays-Website oder der Website des SWISS DPE Teams.

Das monatelange Schweigen von Microsoft über die zukünftigen Stossrichtungen betreffend Programmieren für Windows 8 und jetzt die Verschiebung der Orientierung der Schweizer auf den Februar 2012 finde ich persönlich nicht gut, sehe das aber noch knapp innerhalb eines „normalen“ Rahmens.

Was ich allerdings jetzt definitiv nicht mehr verstehe und was mich über die Klippe gestossen und zu diesem Blog-Eintrag veranlasst hat: Microsoft liefert, so viel ich weiss, keine brauchbare Begründungen für all diese Wartereien und Verschiebungen, die man uns zumutet.

Wenn man schon die Leute monatelang hängenlässt, was in der heutigen Zeit eine kleine Ewigkeit bedeutet, gehört doch einfach dazu, den Leuten zu erklären, warum man das tut. Ohne Erklärung werden die Ängste nur um so grösser, und die Spekulationen umso wilder.

Ich bin Realist und weiss, wie klein die Chancen sind, dass nun genau dieser Blog-Eintrag etwas bewirkt, aber es musste mal gesagt sein.

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Schweizer TechDays 2010

1 Jahr nach diesem Eintrag ist es Zeit, über die TechDays 2010 zu berichten.

Sie fanden dieses Mal im Congress Center Basel statt – einem Gebäude, das sich hervorragend eignet für solche Veranstaltungen. Wiederum bekam man in 2 Tagen auf einer sehr professionell organisierten Veranstaltung eine Menge Information mit auf den Weg, woran Microsoft im Moment arbeitet und wie die Firma die Prioritäten legt.

Eine ganz grosse Produkteinführung wie letztes Jahr mit Windows 7 stand dieses Jahr nicht an, aber Silverlight 4 und Visual Studio 2010 stehen vor der Tür und waren dementsprechend wichtige Themen.

Ich finde es recht eindrücklich, was Microsoft mit Silverlight in kurzer Zeit hochzieht – es jagt ja mehr oder weniger eine Version die nächste – aber meiner Meinung nach ist noch ziemlich offen, wie verbreitet es zum Einsatz kommen wird. In der freien „Wildbahn“ des Internet hat es in Flash einen starken, bewährten und auf einer unglaublichen Menge von PCs installierten Konkurrenten, und in einem Firmenumfeld, z.B. in Intranets, sehe ich nicht unbedingt den grossen Vorteil von Silverlight-Applikationen gegenüber konventionellen .NET-Applikationen, die ganz „normal“ auf den PCs laufen.

Und ja, es war wieder da, wie schon letztes Jahr, jenes absolut surreale Gefühl, wenn neue Fähigkeiten von Silverlight 4 „out of browser“ präsentiert werden: Wow, eine Silverlight-Applikation kann jetzt drucken. Ja, sogar Output auf mehrere Seiten verteilen, mit brauchbarem Seitenumbruch. Eine Silverlight-Applikation kann jetzt Rechtsklick-Kontextmenus haben. Nun ja, wenn ich richtig aufgepasst habe zwar jeweils nicht ein echtes Menu Control, sondern nur eine Listbox, die auf Rechtsklick kommt und dann in etwa aussieht wie ein Kontextmenu, aber hey, wir wollen nicht pingelig sein.

Und dann der Hammer: Man kann das Fenster einer Silverlight-Applikation jetzt stylen, wenn sie „out of browser“ läuft. Ja, wer will, kann z.B. den Titelbalken weglassen. Sogar auf die Grösse, in der das Fenster geöffnet wird, kann die Applikation jetzt Einfluss nehmen. Starkes Stück.

Windows Azure, die Microsoft’sche „Wolke“, war ebenfalls ein interessantes Thema. Ich denke, man wird das über ein paar Generationen hinweg reifen lassen müssen, und der grosse Hype in Sachen Clouds muss wohl auch noch zuerst abklingen, bevor man in Ruhe ernsthaft mit solchen Systemen arbeiten kann, aber ich habe schon den Verdacht, dass in ein paar Jahren Systeme wie Windows Azure in der IT absolut akzeptiert sein werden als eine Möglichkeit, Applikationen zu bauen und zu betreiben.

Microsoft scheint mir recht gut positioniert, um hier in Zukunft gross mitzumischen. Schliesslich stellt auch nicht jeder mal eben schnell ein paar Rechenzentren auf jeden Kontinent, eine gewisse Firmengrösse muss da schon sein.

Zum ersten Mal in der Schweiz wurde an diesen TechDays Windows Phone 7 vorgestellt. Das könnte eine ausgesprochen spannende Aufholjagd werden mit einem Mitbewerber, der buchstäblich Jahre Vorsprung hat und auch nicht gerade langsam unterwegs ist. Man munkelt, es sei nur etwas über 1 Jahr her, seit man sich bei Microsoft eingestand, dass man mit Windows Mobile 6.x auf einem toten Pferd sitzt und endlich umsatteln sollte. Was in dieser kurzen Zeit auf die Beine gestellt wurde, sieht für mich recht gut aus.

Und dann gab es noch die Frage: Do you poken?. Am Anfang der TechDays bekam jeder ein Poken, ein kleines Gerätchen für den Austausch von Kontaktinformationen zwischen Teilnehmern (Wikipedia-Artikel ist hier.) Für mich eine Lösung auf der verzweifelten Suche nach einem Problem, ein Ding wie aus den besten Hoch-Zeiten der New Economy – man glaubt förmlich die Hitze der Risiko-Kapital-Millionen zu spüren, die da abgefackelt werden.

Aber vielleicht bin ich einfach nur zu alt für solche Neuerungen…

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Und wieder mal TechDays

Etwas über ein Jahr ist es her, seit ich mit einem Eintrag über die Microsoft TechDays 2008 diesen Blog eröffnen durfte. Letzte Woche war ich nun an den TechDays 2009, dieses Mal im Kursaal in Bern.

Es war eine gut besuchte, professionell durchgeführte und solide Veranstaltung. Wie schon letztes Jahr waren es für mich gut investierte 2 Tage, um zu erspüren, wo die Reise hingeht mit Microsoft und den Technologien dieser Firma.

Die für die Megos vielleicht wichtigste Information, die ich mitgenommen habe: WPF ist jetzt einsatzfähig. Dies wurde klar anhand der Preisverleihung für den .NET Swiss Innovation Award, wo eine WPF- und 2 Silverlight-Applikationen prämiert worden sind – alle 3 nicht-triviale, real existierende Applikationen, offenbar reif für den produktiven Einsatz. (Ein paar Details zum Award und den Gewinnern findet man in einem Infoweek-Artikle hier.) Auch der Stand von WPF plus entsprechender Tools ist mittlerweile um Längen besser als noch vor zwei Jahren oder so, wo Microsoft vorschlug, WPF-Applikationen ohne ein DataGrid-Control und ohne IntelliSense für XAML zu entwickeln…

Eine weitere interessante, in einem gut gemachten Vortrag präsentierte Sache sind die Parallel Extensions, mit deren Hilfe man für seine Programme unter .NET 4.0 auf relativ einfache Weise mehrere Cores bzw. Prozessoren wird nutzen können. Zunächst schien mir die Sache etwas überspitzt formuliert ein wenig paradox: Da baut man in der Form des .NET-Frameworks zuerst erst ein System, das mit seinem Pseudocode-basierten Ansatz, Garbage Collecting, aufwendigen Laufzeit-Informationen für Reflection usw. ziemlich gut geeignet ist, um Prozessorleistung abzufackeln, und dann geht man hin und baut eine Erweiterung, um das sogar noch mit mehr als einem Core gleichzeitig zu tun.

Aber es macht schon einen gewissen Sinn: Dank JIT-Compilierung und mächtigen Prozessoren spielt der .NET-Overhead mit der Zeit eine immer kleinere Rolle, aber wie man die laufend grösser werdende Zahl an Cores einfach und sinnvoll nutzen kann, wird wohl eine der grossen Fragen der Zukunft sein, und zwar eine, die sich als ziemlich harte Nuss erweisen dürfte.

Zudem sieht man, dass es auch klare Vorteile hat, sich mit dem .NET Framework auf einer relativ hohen Abstraktions-Ebene bewegen zu können: Microsoft hat es in der Hand, seine .NET-Sprachen geeignet um neue Sprachkonstrukte für paralleles Programmieren zu erweitern, und das .NET Framework ist ein geeignetes System, um möglichst viele der „schmutzigen“ Details vom Entwickler fernzuhalten und gewissermassen „hinter den Kulissen zu verstecken“.

Mehr zu diesem Thema find man auf der MSDN-Website hier.

Wie letztes Jahr besuchte ich mit grossem Genuss zwei Vorträge von Sascha P. Corti. Microsoft Schweiz soll gut Acht geben auf diesen Mann, den sollten sie unbedingt behalten.

Der für mich ganz persönlich absurdeste Moment dieser TechDays war, als stolz die Out of Browser genannte neue Fähigkeit der kommenden Version 3 von Silverlight präsentiert wurde: Damit ist es möglich, entsprechend vorbereitete Silverlight-3-Applikationen lokal zu installieren und dann komplett ausserhalb des Browsers laufen zu lassen. (Technische Details findet man z.B. hier).

Ohne Zweifel technisch gesehen eine beeindruckende Leistung, an der die Jungs und Mädels in Redmond wohl hart gearbeitet haben, um sie zu vollbringen. Aber warum fand ich das in gewisser Weise absurd? Lassen Sie es mich mit den Worten eines hypothetischen, fanatischen Web-2.0-Fans einmal so formulieren: „Wow! Ich dachte immer, man braucht einen Browser, um Applikationen laufen zu lassen. Jetzt geht das ja sogar ohne Browser!“. Ja, ja, wer hätte das gedacht, Applikationen, die lokal auf einem PC laufen.

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Wir sind jetzt Helden

Wie 3 meiner Kollegen nahm ich an den diesjährigen Microsoft TechDays teil, die am 19. und 20. März in der St. Jakobshalle in Basel durchgeführt wurden. Da kommt die Ehre, den allerersten Beitrag für das Megos .NET-Weblog schreiben zu dürfen, gerade recht, um meine Eindrücke festzuhalten.

Hat es im Zeitalter von Internet und Google immer noch einen Sinn, für 2 Tage persönlich nach Basel zu pilgern und sich Vorträge anzuhören, statt einfach alles am Bildschirm zu recherchieren und nachzulesen? Für mich lautet die Antwort ja, denn nur so bekommt man ein Stimmungsbild, und das ist wichtig, wenn man eine ganze Firma mittelfristig auf genau dieses Fundament stellen will, um das es bei diesem Event ging.

Auffallend war die grosse Anzahl Teilnehmer, weit über 1000. Man fragt sich spontan, wo in der kleinen (Deutsch-)Schweiz die alle herkommen, und man muss annehmen, dass Microsoft mit .NET und C# ein Angebot macht, das bei Schweizer Entwicklern auf fruchtbaren Boden fällt.

Beeindruckt hat mich die Konsequenz, mit der Microsoft alles auf C# umstellt. C# für den Code der Applikationen selbst, natürlich. C# als Code hinter Web-Applikationen, auch klar. C# für stored procedures im SQL Server, auch schon seit einer Weile, und warum nicht. Die Funktionalität der Office-2007-Programme mit C#-Code statt mit VBA erweitern zu können, ist hingegen ziemlich neu, aber eben folgerichtig, auch wenn es nicht einfach werden wird, gegen all die bestehenden Berge von VBA-Code anzugehen. Einen .NET-Button in ein Word-Dokument aufnehmen und dessen Event Handler in C# schreiben zu können, als ob nichts wäre, ist wirklich nicht schlecht.

Selbst die kleinsten Computer, mit denen man als „normaler“ Programmierer heutzutage arbeitet, nämlich Smartphones und PDAs, kann man, sofern Windows Mobile drauf läuft, Sie haben’s erraten, in C# programmieren.

All die Legionen von Open-Source-Programmieren mögen Microsoft zusetzen, und es wird interessant sein zu verfolgen, wie sich die Sache langfristig entwickelt, aber wie man an C# sieht, hat es auch Vorteile, eine Firma zu sein, wo jemand eine Linie vorgeben kann, die dann konsequent durchgezogen wird, mit wie erwähnt mittlerweile beeindruckenden Resultaten.

Die Keynote war eine verpasste Chance, wenn man mich fragt. Da hat man mal über 1000 für Microsoft wichtige Leute zusammen, von denen sich viele wohl wie ich erhoffen, persönlich und live zu sehen, wohin die Reise geht, mit einem Jahr Wartezeit für Microsoft bis zur nächsten solchen Gelegenheit, und bekommt dann eine „Konserve“ von Vortrag vorgesetzt, bei der es um alles mögliche geht, nur nicht um Dinge, welche Entwickler interessieren. Nun ja.

Bei den Vorträgen gab es hingegen jede Menge interessante Dinge zu hören und zu sehen. Unter den Vortragenden ist Sascha P. Corti mit Abstand mein persönlicher Favorit, so ziemlich egal, worum es geht – der Mann macht einfach gute Laune, und seine Begeisterung steckt an.

WPF (Windows Presentation Foundation, langfristig wohl die Ablösung für die bisherigen Benutzeroberflächen mit „normalen“ Windows-Controls) wurde ziemlich prominent dargestellt in mehreren Sessions. So etwas völlig neu aus dem Boden zu stampfen und zur Einsatzreife zu bringen dauert seine Zeit, aber es macht den Eindruck, als sei es bald geschafft. WPF ist auf jeden Fall etwas, das wir uns in der Megos näher anschauen werden.

Auch wenn mir persönlich das Motto der Veranstaltung HEROES happen {here} nicht viel sagte, haben sich diese zwei Tage auf jeden Fall gelohnt.

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